Die Arbeiten – Malerei und Grafik
Am Fuße des Berges »La Esperanza« [Ausschnitt]
KUNST GIBT NICHT DAS SICHTBARE WIDER, SONDERN MACHT SICHTBAR
Paul Klee
»Meine Malerei nenne ich abstrakt, wenn ich das in Bezug stelle zu den bekannten Strömungen der nicht gegenstandsbezogenen Malweisen. In anderen Bezügen oder Betrachtungsweisen ist sie womöglich auch konkret. Die Abstraktion und die durch den Betrachtungsprozess möglich werdende Konkretisierung ist in einem aleatorischen Verfahren begründet, das heisst, ich sage nicht: jetzt will ich dieses oder jenes umsetzen, zum Beispiel Himmel malen oder Landschaft. Zuallererst arbeite ich einem Gedanken, einem Impuls folgend, dessen Zufälligkeit ich aufnehme, um sie dann für mich sinnstiftend auszuformulieren. Oftmals passiert es, dass der ursprüngliche Gedanke im Prozesses des Schaffens eine andere Richtung einschlägt, ein nächster Impuls womöglich einen weiteren Gedanken auslöst, usw. usw., und dass der ursprüngliche Gedanke sich verwebt und in einem Gedankengebilde aufgeht.
Mir selbst ist auch der Prozess bis hin zum letztlich gezeigten von gleicher Wertigkeit wie das Bild selbst, also auch die geistige und auch die oftmals körperliche Arbeit daran [ ich male oft
aus der Schulter, aus dem Kreuz – über der Leinwand stehend ], weil mich der Schaffensprozess, eben die „formenden Kräfte“ (so Klee) interessieren und inspirieren und innerlich stärker
berühren als die sogenannten (natürlichen) „Form-Enden“.
Das für den Betrachter sichtbare ist also das Ergebnis „meines Prozesses“, aus dem sich ein nächster Prozess entwickeln möchte, nämlich der, dass der Betrachter, angeregt durch Dargestelltes [
und womöglich durch „weisende“ Bildtitel – die es dem Betrachter überlassen, sie anzunehmen oder abzulehnen und eigene zu versuchen ] einer ganz eigenen Bildgeschichte habhaft wird, also eintritt
in den Prozess einer kommunikativen Aneignung.
Ich selber sehe und entdecke mich in ständiger Auseinandersetzung mit mir selbst und der Welt, die mich umgibt, in einem malerischen Nachsinnen und Nachdenken, beispielsweise über die Natur, über
Oben und Unten, Fragen stellend an das Sein und an das Werden – religiös als auch säkular –, suchend nach dem Zusammenspiel aller Dinge, die ich „meine“ und die wir „unsere“ Welt
heißen.«
(Christoph Lammert)
CHRISTOPH LAMMERT

